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- 2.7.2009: Eine weitere Etappe ist geschafft: 30 Teilnehmer in Buea lernen Windturbinenbau
- 1.6.2009: Bücherflohmarkt zugunsten von Green Step in Wolfratshausen
- 28.5.2009: Endlich: Die Windturbine in M’muock läuft! Und die Palastfrauen bekommen Strom aus der Steckdose!
Infos zum Projekt
Eine Reise zu erneuerbaren Energien in Kamerun
Eine Höllentour – von morgens 7 Uhr bis abends 22.00 Uhr waren wir drei Tage lang unterwegs um Projekte, die sich mit erneuerbaren Energien und Umweltbildung in der Nord-West und West Provinz von Kamerun befassen, zu besuchen. Aber gelohnt hat es sich: viele interessante Menschen, Unternehmer, Projekte und NGOs haben wir besucht – aber auch viel Skurriles erlebt. Wir hatten zuvor im Internet so einige NGOs und Projekte recherchiert und wollten uns diese nun vor Ort ansehen, um uns auszutauschen und gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden bzw. um ein loses Wissensnetzwerk unter den NGOs und Projekten, die sich mit dem gleichen Thema befassen, zu knüpfen.
Los gehen sollte es am Sonntagabend in Baffoussam, da aber unserem Auto auf der Strecke aus dem Dorf diesmal zwei Sicherungen durchgebrannt waren, ging es dann erst nach einer Reparatur am Montag morgen in Dschang los. Um ca. 11 Uhr kamen wir bei ADEID in Baffoussam an, wo wir von der gesamten Belegschaft empfangen wurden.
ADEID
ADEID wurde über Jahre vom EED (Evangelischer Entwicklungsdienst) unterstützt und hat nun auch einen technischen Berater (Kameruner), der für den EED für die Organisation arbeitet. Sie haben uns bei dem Treffen viel über ihre Projekte, die eingesetzte Technologie und ihre Erfahrungen berichtet und schienen sehr interessiert an einem Wissensaustausch. Sie arbeiten vor allem mit Wasserturbinen und haben uns auch mit ihrem örtlichen Handwerker in Verbindung gesetzt, der ihnen die Turbinen aus Aluminium gießt. Den Generator wie wir ihn verwenden kannten sie noch nicht und wir werden ihnen nun die Manuals zur Verfügung stellen. Zudem planen sie im Januar/Februar ein internationales Seminar in Bafoussam und evtl. werden wir dort mit einem Workshop vertreten sein. Alles in allem war es ein wirklich angenehmer Besuch und wir freuen uns, dass wir uns nun mit ADEID austauschen können.
Mehr zur Organisation gibt es unter: www.adeid.org
Louis, seine Werkstatt und der Entrepreneur mit dem Windrad
Auf unserem Weg aus Bafoussam entdeckte Johannes dann ein kleines selbst gebautes Windrad auf einem Privathaus und wir stürmten sofort den Laden unten drunter, um heraus zu finden, wer die Turbine gebaut hatte. Es stellte sich heraus, dass der Besitzer des Elektronik-Import-Ladens die Turbine selbst gebaut hatte – und zwar rein aus Interesse.
Er hatte die Anleitung im Internet gefunden. Und die Anlage funktionierte wunderbar. Auch er kannte unseren Generator noch nicht und war so begeistert, dass er die Turbine gleich kaufen wollte
. Er benutzt eine umgebaute Lichtmaschine, die aber leider bei den geringen Windgeschwindigkeiten in Bafoussam sehr wenig Strom erzeugt. Da sie leider unverkäuflich ist, da sie ja ins Dorf soll, haben wir ihm versprochen, dass wir ihm beim nächsten Besuch in der Region im Dezember Magnete und ein Manual auf französisch vorbeibringen, damit er weiter testen kann.
Nach dem Besuch im Laden von Paul Kongne haben wir uns dann noch die Werkstatt von Louis – dem Handwerker, der für ADEID arbeitet umgesehen.
Auch er möchte zu gern lernen, wie man den Generator, den wir nutzen baut und möchte nun einen seiner Lehrlinge nach Buea schicken, damit er bei Johannes lernt, wie man das Ganze zusammensetzt. Insofern haben wir so evtl. schon einen Multiplikator bzw. Techniker, der in ferner Zukunft evtl. die Trainings abhalten kann. Das wäre wirklich toll – aber small, small – catch monkey – wollen wir mal nicht zu enthusiastisch werden
. Da sind noch viele Wenn’s und Aber’s dabei
Bei Louis haben wir dann auch Denis kennen gelernt – seinen Kollegen, der sich auch mit erneurbaren Energien (low tech) befasst, allerdings in Bamenda – ihn werden wir beim nächsten Besuch in Bamenda besuchen. Gute Kontakte sind das auf jeden Fall schon mal!
Yatropha – die Geschichte, die ein wenig undurchsichtig ist
Nach dem Besuch bei Louis ging es dann weiter nach Bamenda in die Nord-West Provinz. Dort wollten wir uns mit einem Yatropha Projekt treffen, von dem wir gelesen hatten. Wir wollten gerne mehr über diese Projekte erfahren, da wir überlegt hatten, dass - wenn die Frauen in unserem Dorf Yatropha als Heckenbepflanzung anbauen- sie eine Möglichkeit hätten, durch Produktion von Seife aus dem Öl ein Einkommen zu generieren.
Das ist aber nur eine Idee und wir sind noch nicht sicher, ob es eine gute ist. Zudem kann man mit Yatrophaöl modifizierte Dieselgeneratoren betreiben. (mehr zu Yatropha unter: http://www.jatropha.de/ )
Wir wollten uns mit Cletius von Aleri Integrated Farms treffen, und seine Seifenfactory ansehen. Leider erreichten wir Bamenda sehr spät, daher war das nicht mehr möglich. So wie wir das verstanden haben, baut Aleri Yatropha in Ntem an und will damit Seife produzieren. Das Treffen war allerdings sehr eigenartig und Ntem ist in der Nähe von Kumbo, wo soweit wir wissen eigentlich die Organisation Greenery (www.greenery-cm.org) arbeitet. Bisher konnte uns Aleri noch nicht wirklich überzeugen von ihrem Projekt – sie haben uns dann Seifen geschenkt, die sie angeblich in Bamenda produzieren, die aber auf dem Markt dort keiner kannte. Da wir wenig Zeit hatten, werden wir uns beim nächsten Besuch ihr Projekt etwas genauer ansehen – aber der Eindruck bisher ist eher, dass sie noch sehr in den Anfängen stecken bzw. noch keinen richtigen Plan haben, was sie mit Yatropha machen wollen. Generell sind wir uns auch nicht so sicher, ob es überhaupt ein Projekt gibt – werden daher also vorsichtig sein, aber ihnen eine zweite Chance geben – evtl. waren sie ja nur ein wenig unorganisiert.
Übernachtet haben wir in Bamenda bei Roos – einer Holländerin, die wir in Buea kennen gelernt hatten. Sie betreibt dort anthropologische Forschung und wohnt in einem internationalen Recherchehaus, das günstig Zimmer vermietet
Kumbo – die Höllenstraße
Am Dienstag ging es dann weiter nach Kumbo. Kumbo ist ca. 120 km entfernt von Bamenda, aber man braucht mind. 3h 30 dort hin, was daran liegt, dass die Straße nicht geteert ist und nur aus Schlaglöchern besteht. Auch Johannes und ich sind einige Teile gefahren und das war schon extrem holprig und anstrengend. Zwischendrin ist die Straße immer mal wieder stückweise geteert. Und offiziell ist sie schon vier mal geteert worden, was erklärt, warum immer nur kleine Stücke geteert sind. Es wird erzählt, dass man immer, wenn es wieder offiziell angekündigt wurde, dass die Strecke geteert wird, irgendwo angefangen hat, dass dann aber das Geld immer sehr schnell zu Neige ging, da es in irgendwelchen korrupten Taschen verschwand… Ob das stimmt, können wir nicht sagen… Nun ja – die Straße ist also eine Katatrophe…das hatten wir in unserer Planung leider nicht bedacht und hatten so gleich zweimal an diesem Tag das Vergnügen diese Straße zu befahren. Lesson learned – wenn nach Kumbo, dann länger bleiben J
Mittags erreichten wir also Kumbo und trafen uns mit Jude Leh von Greenery. Er erzählte uns von seinem Projekt und zeigte uns die Verträge, die er mit den Farmern gemacht hat und alle sonstigen Dokumente. Sie sind also schon recht weit fort geschritten mit ihrem Projekt. Ihre Idee ist es, dass die Farmer Yatropha als Hecke anbauen (sie bekommen nie mehr als 500 Seedlings/Seeds und greenery kauft ihnen dann später die Ernte ab, macht daraus Öl und verkauft dieses dann. Uns ist allerdings noch nicht so ganz klar für welchem Markt das Öl dann bestimmt ist, ob für den kamerunischen oder den europäischen. Das wird sich aber noch zeigen. Wir haben dann seine Yatropha-Aufzucht-Stationen besucht und auch einige Pflanzen mitgenommen, um sie hier in Buea zu testen. Generell macht uns diese Organisation einen seriösen Eindruck und wir werden uns noch mal mit ihnen treffen, evtl. entsteht da ja ein Austausch.
Yatropha scheint jedoch so einige skurrile Blüten zu treiben – so erzählte und Jude Leh, dass ein Deutscher nach Kamerun kam und versuchte viele Felder und Flächen zu kaufen und am Ende ging seine Firma pleite, er zahlte die versprochenen Gelder nicht und nun ist alles vor Gericht gelandet – er zeigte uns einen Bericht, den er gerade für das Gericht fertig gestellt hatte, in dem geklärt werden sollte, wer wen um wie viel betrogen hat.
Daher wollen wir uns aus dieser Geschichte eher raus halten bzw. wir haben inzwischen erfahren, dass es vor Ort einen peacekorps volunteer gibt, der für einen Partner von greenery arbeitet und mit dem wollen wir uns mal unterhalten.
Über Stock und über Stein ging es also zurück nach Bamenda, unterbrochen von einer kleinen Begegnung mit einer kleinen Schlange auf dem Weg und einigen kulturellen Tänzern auf der Straße.
Mittwoch morgen haben wir uns mit Mr. Abrahams getroffen, der seinen eigenen verbesserten Lehmkocher in Kamerun entwickelt hat und damit sogar bei einem nationalen Technologie-Wettbewerb den zweiten Platz in Yaounde gemacht hat. Zudem hat er ein Patent auf seinen Kocher, das erste Patent, das wir in Kamerun gesehen haben! Wir haben dort gleich mal 2 Kocher mit genommen und werden nun die nächsten Kartoffeln in Buea auf dem Kocher kochen – denn wir wollen diesen evtl. den Frauen im Dorf vorstellen. Eine tolle Initiative jedenfalls!
Danach ging es dann weiter nach Mbouda bzw. in ein Dorf zwischen Mbouda und Dschang, wo wir Acrest besucht haben. Diese Organisation wird von einem Kenianer, der bei der UN arbeitet, finanziert. Dank dieser stetigen Finanzspritzen konnten die Leute von Acrest ein wunderschönes Haus und mehrere Werkstätten aus lokalem Lehm bauen, die sie mit einem Wasserkraftwerk und einem Dieselgenerator mit Strom versorgen.
Es gibt dort wirklich alles: Windturbinen (nach dem gleichen Prinzip wie wir sie bauen) Wasserkraftwerke, Biogasanlagen, Öfen, Wasserfilter und vieles mehr.
Wir waren wirklich begeistert. Leider ist Acrest noch bei der Erforschung der Technologie und lässt sich mit der Verbreitung der Technologie sehr viel Zeit. Das ist leider ein großes Problem von NGOs in Kamerun. Entweder sie sind mit der Dorfentwicklung beschäftigt und haben kein Wissen über die entsprechende Technologie oder sie haben die Technologie, die sie aber nicht in die Dörfer bringen können. Hier hoffen wir, dass GREEN STEP diese Lücke schließen kann.
Wir werden auf jeden Fall zusammen mit unseren Handwerkern Acrest besuchen um ihnen auch zu zeigen, was mit erneuerbaren Energien alles möglich ist.
Abends kamen wir dann völlig erschöpft, aber voller positiver Eindrücke, von tollen Projekten und Menschen zurück nach Buea, wo wir uns am Donnerstag dann an die Dokumentation der Reise gemacht haben. Leider hatte unser Office bis Freitag kein Internet, daher kommt der Bericht erst verspätet.
Wir freuen uns schon drauf mit den Projekten weiter in Kontakt zu bleiben und sie im Dezember evtl. wieder zu besuchen!
Nun aber genug gefaselt.
Alles Liebe
Eure Cornelia