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Wie es nun weiter geht und was im Januar noch so passiert ist

Dieser Eintrag stammt von Cornelia Am 10.1.2009 @ 11:34 In Projektberichte aus Kamerun, deutscher blog | 1 Kommentar

Hallo nach Deutschland!

In unserem letzten Blog im Dezember waren wir ja ein wenig demotiviert und wussten nicht so recht wie es nun weiter gehen soll mit dem Projekt, wo doch nun plötzlich das Dorf M’muock ans nationale Stromnetz angeschlossen werden sollte. Wir hatten von einem Plan B berichtet, den wir nun so mit unseren Partnern umsetzen wollen. Der hing aber von der Zusage der Stiftungen und Förderer ab, die wir Mitte Dezember über unsere Probleme und unsere Neuorientierung informiert hatten.

Die gute Nachricht

Alle Stiftungen und Förderer bleiben dabei! Wir haben uns wahnsinnig über diesen Zuspruch und die vielen netten motivierenden Worte gefreut von unseren Mitgliedern, Freunden, Bekannten und Verwandten und von unseren Förderern! Mit neuem Elan kann es nun weiter gehen und das ging es auch gleich im Januar nach einem Kurzurlaub über Weihnachten am Strand in Kribi! Dort haben wir die Sonne, das Meer und ein wenig Luxus in einem kleinen Hotel genossen.

[1] k640_cimg4720.JPG

Neujahr – Besuch bei einem kanadischen Projekt in Lewoh

[2] k640_cimg4780.JPGUm uns ein wenig umzusehen und mal ein paar andere Projekte und deren Umsetzung zu sehen, haben wir Sylvester in Lewoh verbracht. Ein guter Bekannter namens Ed aus Kanada hatte uns zu dem Kurztrip eingeladen. Ed hat großes Interesse an den Anlagen, die Johannes baut. Zudem hat Ed’s NGO in einem „ihrer“ Dörfer ein Solarleuchtenprojekt – das wollte sich Johannes gerne näher ansehen und raus finden, was die Herausforderungen und Chancen solcher Projekte sind. Die Anlagen haben 2 LED Leuchten und kosten 98.000 CFA (ca. 150 Euro), und werden von den Bewohnern in Raten abbezahlt. Johannes wollte sehen, wie diese Leuchten angenommen werden. Und es waren wirklich viele Haushalte, die das System hatten!


Abenteuer Busfahren

[3] k640_21_slideshow-2.JPGDa Edwin mit Malaria im Bett lag und das Auto von Nkong Hilltop für anderweitige Projekte gebraucht wurde, haben wir uns mal wieder in das Abenteuer der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gestürzt! Los ging es am 31. Januar mit Diamond Travel – der Bus fuhr wie üblich erst um 10 Uhr los (statt wie geplant um 8 Uhr), denn es müssen immer erst alle Plätze ausverkauft sein, bevor es losgehen kann. Eine Stunde warteten wir dann noch in Mutengene, da wir dort noch auf Mitreisende aus Douala warten mussten. In Mutengene ging dann auch die Schlägerei um die besten Sitzplätze los, die eigentlich keine sein müsste, da es ein geregeltes Vorgehen gibt, dass die meisten vor allem älteren Frauen und Herren aber leider gar nicht akzeptieren wollen und sich lauthals beschweren und jeden wegschubsen, der zum Schalter gerufen wird, um seinen Sitzplatz auszusuchen. Das System sieht vor, dass diejenigen, die in der früh zu erst da waren und somit zuerst auf der Liste stehen, sich als erste ihren Sitzplatz aussuchen dürfen… Am Ende saßen dann doch alle im Bus und los ging es nach Dschang.

Dort ging es dann in einen kleineren Bus, der uns nach Lewoh bringen sollte. Hier durften Johannes und ich sogar vorne beim Fahrer sitzen, was uns eher unangenehm war, weil klar war, dass wir den Platz nur wegen unserer Hautfarbe bekommen hatten… Man zählt hier vor allem in den ländlichen Gebieten, wenn man weiß ist automatisch zu den Honoratioren und bekommt kleine Vorteile zugesichert um die man gar nicht gebeten hatte. Das ist uns immer ziemlich peinlich, anderseits sind sie beleidigt, wenn wir das dann nicht annehmen, bzw. der Ansicht, dass wir das wie selbstverständlich annehmen müssten… Da kommt man sich dann unfreiwilliger Weise wie ein VIP vor… Wir konnten das ganze etwas abmildern indem wir dann wenigstens einen kleinen Jungen mit nach vorne nahmen, denn hinten war wirklich alles hochkant gestapelt.

Lewoh

[4] k640_cimg4758.JPG1 Stunde später kamen wir in Lewoh an, wo uns Ed mit seinem Helfer Peter abholte und uns zu einem Kurzbesuch beim neuen Subdivisional Officer von Alou (Sowas wie der Landrat, nur das er vom Präsidenten bestimmt wird und nicht gewählt) mitnahm. Er wollte sch dort kurz vorstellen, damit die Autoritäten bescheid wissen, über das Engagement seiner kanadischen NGO (International Children Awareness). Das hat super gepasst, denn der Subdivisional Officer ist auch für unser Dorf zuständig. Wir haben also einen kleinen Wein mit ihm getrunken und uns vorgestellt (hatten allerdings noch nichts im Magen..).

Danach ging es weiter in die Mission in der Ed mit seinem Reisetrupp übernachtete. Er hatte 4 kanadische Doktoren mitgebracht, da sie ein Gesundheitszentrum gebaut hatten und die Doktoren alles vor Ort sehen sollten, um zu entscheiden, wie man dem Gesundheitszentrum am besten helfen kann.

Am Abend hieß es dann nach einem kurzen Mahl (sehr europäisch für den Reisetrupp und für uns viel zu laaaangweilig J) ab in die Bar, um ins neue Jahr hineinzufeiern. Allerdings schien unser kleiner kanadisch-deutscher Trupp der Einzige, der das machen wollte. Zwar saßen in der Bar noch 5 andere Männer, aber keinen schien es so wirklich zu interessieren, dass nun Neujahr ist. Um kurz vor 12 fingen sie sogar an die leeren Bierkästen auf den Lieferlastwagen aufzuladen. Nur die Kanadier – die waren voll dabei und hatten ein paar Tröten mitgebracht, zur großen Belustigung der Männer in der Bar J.

Fünf nach Zwölf ging es dann auch ins Bett, denn am nächsten Morgen ging der Treck ins Dorf in dem das Gesundheitszentrum und die Solarleuchten sind los.

Treck ins Dorf und der Fluss…

[5] k640_cimg4772.JPG4 Stunden mussten wir bergab laufen – eine schöne Wanderung – aber unglaublich heiß und stickig war es da unten. Dort übernachteten wir dann in einem typisch kamerunschen Dorfhaus – auf dem Boden und wir sogar im Freien (unter einem Moskitonetz versteht sich), da es einfach viel zu warm zum drinnen schlafen war. Unten angekommen ging es erstmal zum Fluss – der jedoch ist laut einem Spezialisten, dem Ed eine Probe von dem Fluss gab einer der bakteriell verseuchtesten, die er je gesehen hatte (Er ist die Latrine des Dorfes…). Das erzählte er uns leider erst nachdem wir drin gebadet hatten – nun ja – es ist uns Gott sei Dank nichts passiert…

Abenteuerlich waren die Brücken, die wir teils überqueren mussten am Neujahrstag - aber wir waren ja ausgeschlafen :)

 

 

 

Gesundheitszentrum – Geburt life

[6] k640_cimg4827.JPGAm nächsten Tag besuchten wir ein paar LED-Häuser und das Gesundheitszentrum und die Doktoren hatten ein Meeting mit den Dorfbewohner angesetzt. Im Gesundheitszentrum stellten die Docs fest, dass der Krankenpfleger leider kaum Ahnung hatte, wofür die ganzen Dinge sind, die sie ihm geschickt hatten und mussten ihm eine kleine Einführung geben. Wie sinnvoll das Ganze ist, können wir als Laien nicht beurteilen, sie senden Medikamente und Verbandsmaterial, das aber die Regierung auch zur Verfügung stellt (gegen Entgelt und zugegebener Maßen nicht ganz zuverlässig). Sinnvoll war sicherlich der Bau des Gesundheitszentrums, denn es wird rege frequentiert und viele Frauen kommen dort hin, um zu gebären (ca. 15/Monat). Am Tag an dem wir das Zentrum besuchten kam auch eine junge Erstgebärende und eine der Ärztinnen assistierte bei der Geburt. Ihr wurde allerdings mehrmals schlecht, da sie gerne so einige Hilfsmaschinchen und Hilfsmittel gehabt hätte, die dort nicht vorhanden waren. Sie war am Ende schwer beeindruckt, wie der Krankenpfleger das alles hinbekam und Mutter und Kind am Ende trotz schwerer Geburt wohl auf waren – sie hatte wohl mehrmals daran gezweifelt, dass das gut gehen würde.

[7] k640_cimg4799.JPGEs gibt in dem Gesundheitszentrum einen Krankenpfleger und eine Pharmazeutin, die beide von der Regierung bezahlt werden und eine Laborassistentin die von den Einnahmen des Gesundheitszentrums bezahlt wird – daher schwanken jedoch leider die Preise für Test extrem – laut dem Krankenpfleger kostet ein Malariatest 300 CFA, laut der Pharmazeutin 500 CFA und laut der Laborassistentin 1500 CFA…

 

T-shirts und Aufkleber für Kinder

[8] k640_cimg4817.JPGAm selben Tag am Nachmittag gab es dann ein Treffen mit den Dorfbewohnern, um Fragen zu Gesundheitsproblemen zu stellen. Was sich als ziemlich schwierig herausstellte. Zudem hatten 2 der Mitreisenden ein HIV Spielchen mitgebracht für die Kinder. Über Sinn- und Zweck lässt sich streiten – wir haben einfach mal beobachtet – am Ende gab es T-Shirts für die Kinder und Aufkleber – das wird sie wohl am meisten beeindruckt haben J.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fahrt nach M’muock

[9] k640_cimg4834.JPGWeiter ging es dann am 3. Januar in unser Dorf – den beschwerlichen Aufstieg von Ed’s Dorf machten wir mit einem Pick-Up Truck und in dem ging es dann auch weiter bis nach Dschang. Der Truck war jenseits von gut und böse und heillos überfüllt – daher hatten wir auch so einige Probleme mit Straßenkontrollen (die, die wir nicht umfahren konnten)– am Ende kamen wir aber heil in Dschang an, gingen frühstücken, um dann in den Bus nach M’muock einzusteigen. Der war leider auch ziemlich überfüllt mit Gütern, weswegen wir an einem Hügel auch aussteigen und laufen mussten, weil der Bus es nicht hinauf schaffte. Vorbei liefen wir dabei auch an einem riesen Truck, der Dünger geladen hatte und den man halb abgeladen hatte, damit er den Hügel hinauf schafft und die Jungs trugen Sack um Sack den Berg hinauf….[10] k640_cimg4855.JPG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Musa

[11] k640_cimg4860.JPGEndlich im Dorf angekommen, trafen wir uns mit Musa unserem Projekthelfer, der wie immer alles wunderbar vorbereitet hatte, denn eigentlich hatten wir geplant die Demonstrationsanlagen in diesem Zeitraum aufzubauen, aber leider waren einige der Schaltungen, mit denen wir mehrere Elektriker in Buea beauftragt hatten nicht fertig geworden. Also mussten wir die Leute darüber informieren, dass der Aufbau schon wieder nach hinten verschoben wird auf Februar.

 

 

 

 

 

 

 

 

Treffen mit den Handwerkern

[12] k1024_cimg4548.JPGWir trafen uns also am nächsten Tag mit den Handwerkern und Interessierten an den Demonstrationsanlagen, um ihnen von den Verzögerungen zu berichten und vom Plan B bzw. sie darüber zu informieren, dass wir das Training für Wind- und Wasserturbinen in ein anderes Dorf verlegen werden und um sie um ihre Meinung dazu zu fragen. Zum ersten mal fand dieses Treffen ohne Edwin statt (der ja krank im Bett lag), was generell die Kommunikation etwas einfacher machte – wir waren nicht mehr die weit entfernten Weißen, die stumm mit am Tisch sitzen. Das werden wir auch in Zukunft versuchen so beizubehalten und weniger durch einen Übersetzer arbeiten, da alle unser Englisch sehr gut verstehen

Als wir ihnen zunächst von den Problemen berichteten und dann von unserem Plan B, verstanden sie einerseits, dass wir in ein anderes Dorf für das Training gehen wollen, andererseits sah man ihnen die Enttäuschung an. Wir besprachen mit ihnen aber auch die Möglichkeiten von einem anderen technischen Training in ihrem Dorf und befragten sie zu den derzeitigen Problemen.

Wasserprobleme – Trockenzeit und die Wasserquellen

[13] k640_cimg4858.JPGDabei erfuhren wir so einiges. Unter anderem, dass es nicht genug Wasser gibt, um die Kartoffelfelder in den Trockenmonaten zu bewässern. Was aber vor allem daran liegt, dass jeder Flecken Erde mit Kartoffelanbau voll ist, und der gesamte Wald abgeholzt wurde, der die Wasserquellen schützen würde.

 

 

 

Die Handwerker baten uns um technische Möglichkeiten wie man Wind und Wasser nutzen kann, um Wasser nach oben zu pumpen. Das ist generell kein Problem, aber für uns stellt sich im Moment extrem die Frage der Nachhaltigkeit. Denn auf den Feldern wird mit Hand industriell angebaut – der Output ist enorm und die Mengen an Dünger und Pesiziden, Herbiziden usw. riesig. Von einem Kartoffelsamen ernten sie bis zu 20! Allerdings ziehen sie ihre Samen nicht selbst, sondern kaufen sie von einem Forschungsinstitut namens IRAD und müssen nach 2 Ernten auch immer wieder Samen nach kaufen.

Wir wollen nun nicht eine zwar umweltfreundliche Technologie bringen, die am Ende aber noch mehr Schaden anrichtet. Daher wollen wir das Ganze mit Umweltbildung verbinden und uns vor allem mit dem Fon und dem Traditional Council zusammen setzen, um zu sehen, was es für nachhaltige Lösungen gibt. Land wird nämlich so langsam auch knapp, was der Grund ist, warum immer noch mehr abgeholzt wird. Und die Mengen an Kunstdünger werden langfristig die Böden versalzen.

Wir wollen gerne ein paar Experten dazu befragen und sehen, was es für Möglichkeiten gibt. Leider wird auch, wenn Bäume gepflanzt werden der Eukalyptus Baum gepflanzt, der um ein vielfaches mehr Wasser zieht als einheimische Bäume (er wird manchmal zur Entsumpfung eingesetzt).

Generell ist das ein eher langfristiges Thema, aber wir möchten gerne dran bleiben und sehen wo wir helfen und unterstützen können. Eine langfristige Möglichkeit sehen wir darin die Kinder schon früh für ihre Umwelt zu begeistern.

Umweltclubs – meet the schools

Also hatten wir die Idee Umweltschulklubs in M’muock Fosimondi zu fördern. Dazu mussten wir aber zunächst die Direktoren der Schulen treffen und Lehrer finden, die Interesse daran haben einen solchen Klub zu leiten. Daher begab ich mich dann auf eine Halbtagesreise zu allen Schulen in M’muock Fosimondi, um sie über die Idee von Umweltbildungsclubs zu befragen und zu sehen, ob es interessierte Lehrer gäbe. Davon gab es einige und im Februar werden wir nun das erste Treffen abhalten, um die Clubs möglichst bald zu launchen und die Lehrer mit Trainingsmaterial versorgen.

Frauenumweltbildung – meet the womengroups

[14] k640_cimg4972.JPGZusätzlich wollen wir gerne mit den Frauen am Thema Kochen arbeiten – sie nutzen ja im Moment alle noch die drei Steine Kochstelle mit den bekannten Problemen der Verrußung im Haus. Wir möchten den Frauen gerne zeigen, was es für andere Möglichkeiten gäbe u.a. evtl. mit verbesserten Kochern und ihre Meinung dazu hören.

Zudem wollen wir sehen, was sie sonst noch für Ideen zum Thema Umwelt und Landwirtschaft haben, wo sie Probleme haben und sehen, wo wir ihnen hier evtl. mit Traning oder umweltfreundlicher Technologie helfen können. Frauen sind diejenigen, die am meisten auf den Feldern sind, wenn man ihnen mit Training helfen kann für nachhaltige Landwirtschaft lässt sich sicherlich am ehesten was verändern.

 

Suche nach dem neuen Dorf

Last but not least sucht Edwin derzeit ein neues Dorf für die Ausbildung zur Wind- und Wasserturbine – nach seiner Krankheit hat er sich während unseres kurzen Deutschlandbesuchs an die Arbeit gemacht. Mehr dazu dann im Februar! Evtl. sogar mal von ihm selbst J

Zurück aus dem Dorf ging es dann mit dem Motorrad – leider war Johannes Motorradfahrer langsamer als meiner – weswegen er als wir in Dschang ankamen dann so aussah J.

[15] k640_cimg4991.JPG

Alles liebe

Eure

Cornelia und Johannes


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