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Frauenpower und eifrige Schüler, die Bäume pflanzen wollen
Dieser Eintrag stammt von Cornelia Am 19.2.2009 @ 19:55 In Projektberichte aus Kamerun, deutscher blog | 1 Kommentar
Umweltbildung – so hatten wir es vorgesehen in unserem Projektplan und endlich tut sich auch in diesem Bereich etwas! Lange genug hat es ja gedauert.
Nach langen Recherchen, einigen Treffen mit NGOs und Umweltbildnern in Kamerun, hatte ich im Dezember die ersten Schritte vorbereitet. Arbeiten wollen wir vor allem mit den Schulen und den Frauen. Das hat einen Grund, denn die Frauen sind in M’muock Fosimondi meist in Frauengruppen organisiert und daher ist es einfach viele zu erreichen indem man mit den Präsidentinnen dieser Clubs arbeitet.
Frauenpower – aber wie
[1] Ein wenig unterschätzt hatte ich ihre große Forderungshaltung. Ideen haben sie genug zu dem, was alles im Dorf fehlt und was verändert werden soll, nur anpacken – das schaffen sie bisher kaum. Frage dabei st für mich, ob die finanziellen Ressourcen fehlen, oder der Anreiz oder die Zeit… aber die Frage wird sich so schnell denke ich nicht beantworten lassen.
Überschätzt hatte ich allerdings den Bildungsstand – meine Flipcharts hätte ich mir gut sparen können, da nur 5 von den 20 Frauen lesen und schreiben konnten…
Ich hatte also einen Workshop vorbereitet, bei dem die Frauen zusammen herausarbeiten sollten, was sie für Probleme haben, welche Probleme es im Dorf gibt und wie diese mit der Umwelt zu tun haben bzw. wo wir evtl. gemeinsam Wege zur Verbesserung finden können.
Was gefällt dir an deinem Dorf? Antwort: Ich hätte gerne geteerte Straßen.
Dabei sollten die Frauen erstmal lernen, was ein Brainstorming ist, da sie das nachher in Kleingruppen selbst machen sollten. Das versuchte ich mit der Frage nach: Was mögt ihr an eurem Leben und an eurem Dorf? Was ist gut organisiert?
Einfache Fragen dachte ich, aber die Antworten waren etwas anders als gedacht, sie kamen nämlich nur mit Dingen an, die sie gerne hätten, die aber nicht da sind.
Das war ganz schön schwer ein paar Sätze aus ihnen heraus zu bringen, die etwas Positives über ihr Leben sagen. Denn anscheinend sind sie es gewohnt, vor allem die Dinge, die nicht funktionieren und die fehlen aufzuzählen. Als ich mit meinem Beispiel anfing, dass ich es sehr mag, dass die Frauen hier soviel singen, haben sie gleich ein Lied für mich angestimmt – war wirklich schön! Aber auch nicht so ganz Zweck der Übung J. Am Ende zählten sie mir auf, was sie mögen: Sie mögen die Landwirtschaft, sie bauen gerne Kartoffeln, Lauch, Karotten usw. an und sie finden es gut, dass der Boden so fruchtbar ist. Nun ja – ein Anfang oder ;)?
Dann ging es also in der nächsten Übung zu den Problemen, die sie haben und daraus haben wir dann alle die zusammengesammelt, die mit ihrer Umwelt zu tun haben und überprüft wo wir evtl. gemeinsam ein paar Projekte starten könnten. Die anderen Themen sind auch aufgeschrieben worden und ich habe ihnen ein paar Tipps gegeben, wie sie das angehen könnten.
Ein großes Problem im Dorf ist ja die Abhängigkeit des Einkommens von der Landwirtschaft – was auch die große Überbelastung des Bodens verursacht. Und das haben sie auch alle selbst erkannt, fragten sie doch vor allem nach Trainings, um etwas handwerklich produzieren zu können. Raus gekommen sind dann nach 3 Stunden Workshop und vorher 3 Stunden warten auf den Beginn des Workshops (geplant war 10 Uhr am Sonntag, da waren aber alle noch in der Kirche J) in folgender Priorität:
- ein Training über die Produktion von Kompost und natürlichem Dünger (Ökolandbau) mit einer kamerunschen Expertin, die ich in Kumba gefunden habe. Ziel: Weniger künstlicher Dünger und weniger Pestizide, und mehr Mischanbau (weg von der Monokultur der Kartoffel)
- ein Projekt zum Bau von verbesserten Kochern – hier werden wir gemeinsam mit allen möglichen Designs und Materialien herumexperimentieren. Ziel: geringerer Verbrauch von Feuerholz und Verringerung der Rauchbelastung im Haus
- ein Projekt zum Anbau von Yatropha als Hecke, und Recherchen über den Anbau von Sojabohnen. Ziel: Mehr Halt für den Boden (gegen Erosion), weniger Monokultur, Öl- und Seifenproduktion im Dorf durch die Frauen selbst. (die Idee kam von ihnen selbst, sie wollen lernen wie sie selbst Öl und Seifen produzieren können).
- Baumpflanzung zum Schutz von Wasservorkommen und Kampagne gegen Eukalyptusbäume (die das gesamte Wasser verbrauchen, da sie in der Region eigentlich nicht heimisch sind), bzw. Suche nach Baum mit ähnlichen Eigenschaften wie Eukalyptus, der aber besser für die Umwelt dort ist und heimisch ist.
- Wasserfilterbau bzw. Bildung/Kampagne zum Thema Wasserhygiene
Die ersten zwei Themen gehen wir nun ab März gemeinsam an und hoffen dann bald die ersten Ergebnisse präsentieren zu können. Dafür werde ich wohl mal eine Weile im Dorf bleiben müssen J. Zu erwähnen wäre noch, dass ich fast einen politischen Eklat ausgelöst habe (aus Versehen natürlich), da wohl bei dem Treffen aus irgendwelchen Gründen nur die Frauengruppen aus dem oberen Teil des Dorfes eingeladen waren, obwohl ich ausdrücklich darum gebeten hatte, dass alle eingeladen werden sollten…Da muss ich wohl in Zukunft noch genauer drauf aufpassen…
Umweltclubs: Du sagst uns wie sie laufen sollen
[2] Am Montag ging es dann weiter mit einem Workshop für jeweils 2 Lehrer der 6 Schulen in M’muock Fosmindi, die Umweltclubs in ihren Schulen leiten wollen.
Nachdem wir erst noch 2 Lehrer aus der Kneipe vom Markt geholt hatten (richtig – morgens um zehn saßen sie bei ihrem ersten Bier), ging der Workshop relativ pünktlich um 11 Uhr los.
Idee war mit den Lehrern gemeinsam zu überlegen, wie diese Umweltclubs in den Schulen strukturiert sein sollen, wie die Finanzierung der Aktivitäten aussieht, was wir erwarten und welche Aktivitäten geplant werden könnten.
Es waren einige junger Lehrer dabei, die sich auch im Village-Forest-Committee früher engagiert hatten (ein Projekt von ERUDEF, die dort den restlichen Regenwald und die dort lebenden Gorillas schützen wollen. Sie waren sehr begeistert und engagiert und das lässt auf ein gutes Gelingen des Projekts „Umweltclubs“ hoffen.
Unterschätzt hatte ich allerdings auch bei den Lehrern hatte ich die Obrigkeits-Hörigkeit. Und leider muss ich dies hier schreiben, aber es ist meist so, dass man als Weißer hier automatisch zur Obrigkeit gehört. Etwas was mich immer wieder aufs Neue irritiert – das wir automatisch zu den Bigmen gezählt werden. Aber ändern kann ich es leider nicht – ich versuche es zwar immer wieder, aber es klappt einfach nicht. Ich hatte für den Workshop einen sehr partizipativen Ansatz gewählt, da ich wollte, dass die Lehrer selbst mit entscheiden, wie diese Umweltclubs aussehen sollen. Leider sagten sie immer wieder: “You tell us how it should be run.”
Nachdem ich immer wieder gesagt hatte, dass es ihre Klubs sind und ich die nicht einfach so gestalten kann, sind sie dann doch aufgetaut. Und am Ende hat es geklappt, und sie haben ihre Ideen und Bedenken mit eingebracht. Nun werden die Club gegründet und im März präsentieren sie uns die ersten Ideen zu kleinen Projekten, die wir dann für sie finanzieren. Unter anderem werden das zunächst Baumpflanzaktionen, Versuch des ökologischen Anbaus von anderen Produkten als der Kartoffel auf Schulfarmen und eventuell eine Modell- Agroforestry-farm, die ERUDEF mit betreuen würde. Am Ende gab es noch jede Menge Trainingsmaterial für die Lehrer für ihre Clubs, das ich von einer kamerunschen NGO namens Living Earth Foundation in Yaounde bekommen hatte und in Kopien zur Verfügung gestellt hab. Das Material wurde von ihnen in einem EU Projekt zusammengestellt.
Und die Lehrer zeigten mir noch, was die Kinder schon jetzt aus ihrer Umwelt so alles basteln.
YOUTH DAY – und schon wieder waren wir die VIPs
Die Kinder jedenfalls waren hell auf begeistert, denn als ich einige von ihnen auf der Youth Day Celebration traf, fragten sie ganz aufgeregt, wann es denn los ginge mit den Umweltclubs, sie hätten doch so viele Ideen, wie sie hier etwas für die Umwelt tun könnten und wie sie hier kleine Projekte umsetzen könnten. Auch das lässt wiederum hoffen. Ich bin gespannt wie es am Ende ausgeht. Das Ganze ist ja eher ein Versuchsfeld J
Auf dem Youth Day wurden wir auch mal wieder als VIPs gefeiert – total verdreckt kamen wir alle an, hatten doch Johannes und sein Vater gerade noch die Wassertubine installiert- schon mussten wir in der ersten Reihe sitzen und Trophäen an die Sieger der Sport-Wettbewerbe verteilen. In den Tagen 9.-11. Februar werden jedes Jahr Wettbewerbe in Fussball, Handball, Rennen, traditionellem Tanz und Chormusik zwischen den Schulen abgehalten, und am Ende die Sieger geehrt - natürlich im Beisein eines Offiziellen vom Bildungsministerium oder vom Divisional Officer.
Es sind also eigentlich mehr Jugendtage als ein Jugendtag. Youthday ist aber offiziell der 11. Februar. Eigentlich ist das der Tag des Plebiszits von 1961, als die englischsprachigen Provinzen sich dem französischen Teil anschlossen, er wird aber als Jugendtag gefeiert. Nicht etwa wie die meisten denken, damit man sich nicht an das Plebsizit erinnert, sondern die Idee ist laut einen Beitrags aus der Zeitung die Post, in den 60er Jahren in den englischsprachigen Provinzen entstanden und wurde dann später zum nationalen Feiertag erklärt.
Wie gesagt völlig verdreckt saßen wir dann also zwischen raus geputzten Frauen, Männern und Kindern und durften Trophäen verteilen und mussten dann auch noch am Empfang (mit Essen und Bier versteht sich) teilnehmen.
Müde ging es zurück nach Buea am 12. Februar. Und da waren wir auch froh, denn eine Dusche hatten wir alle seit dem 7. Februar nicht gesehen und auch sonst gab es im Dorf diesmal so gut wie kein Wasser. Des nächtens war ich noch mit Josef und Edwin unterwegs, um ein Wasserloch zu suchen – um unseren Kanister aufzufüllen, leider waren fast alle leer oder mit so vielen Schläuchen für die Bewässerung der Felder voll, dass es nichts mehr gab. Am Ende haben wir einen dieser Bewässerungsschläuche gefunden, der ein Loch hatte und daraus unseren Kanister aufgefüllt – aus Dankbarkeit haben wir das Leck dann aber gestopft J. Abenteuer und Reisen J
Liebe Grüße
Eure Conny
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