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Nasse Wände und Bügeleisen fürs Dorf


Endlich sind wir in unser neues Zimmer gezogen. Wir haben das ganze Wochenende gearbeitet, damit wir es nach unseren doch sehr westlichen Vorstellungen einrichten konnten.

Und da gab es dann doch einige Konflikte mit den kamerunschen Handwerkern. Denn uns war es dann doch nicht genug, dass unsere Fliessen mit einer üblen Säure gesäubert werden, nachdem man zum Streichen des Zimmers nicht mal den Türrahmen abgeklebt hat. So haben wir einen halben Tag mit der Grundreinigung verbracht und die Tür und das Fenster von Farbklecksern befreit. Es ist wirklich sehr erstaunlich, dass die Handwerker oft nur mit einem Hammer und einer Säge bewaffnet ein ganzes Haus bauen können. Aber an den Details verschwenden sie keinerlei Mühe, wo doch Zeit hier absolut keine Rolle spielt. Gerade vor dem Hintergrund des Projektes und der Notwendigkeit von präziser Arbeit steht uns da noch ein steiniger Weg bevor.

 

Das hat uns auch John ein Mitarbeiter von Nkong bestätigt, der als Student unter der Leitung  unseres Projektpartner Prof. Tangka in Dschang eine Windkraftanlage nach unserem Konzept gebaut hat. Das größte Problem beim Bau der Windräder ist seiner Meinung nach der allzu schnelle Verschleiß der Komponenten. Das liegt vor allem daran, dass gerade bei den wichtigen Lagern gespart wurde. Aber auch Unwucht aufgrund von mangelnder Präzision war ein Grund für das frühe Ableben des Lagers.

Für das erste Problem haben wir bereits eine Lösung zusammen mit Edwin und ein paar lokalen Automechanikern gefunden. Wir werden alte Autoradaufhängungen benutzten, deren Lager nicht mehr funktionstüchtig sind und nicht mehr in Autos verbaut werden können. Diese Aufhängungen werden wir mit neuen Lagern ausstatten, was den Preis um ca. 5-10€ verteuern wird, unser größtes Problem aber hoffentlich lösen wird.

Was das Problem der mangelnden Präzision angeht müssen wir darauf hoffen, dass wir den Handwerkern während der Schulung begreiflich machen können, dass dies eine absolute Notwendigkeit für den Erfolg ihres Geschäftes ist.

 

Ein weiterer kleiner Fortschritt  ist unser erste „Made in Africa“ Elektonik-Schaltung. Sie sorgt dafür, dass konventionelle Neonröhren auch mit unserem Batteriestrom laufen. Dies ist vor allem für das Dorf entscheidend, da die Bewohner ja auch was mit dem Strom anfangen sollen. Ich brachte einen kleinen Schaltplan aus dem Internet zu einem Elektroniker um die Ecke, der innerhalb einer Woche die entsprechenden Teile besorgt hat und das Ganze auch noch funktioniert hat. Hier könnt Ihr mal den Vergleich zwischen Nord und Südversion der Schaltung sehen.

clip_image001.jpg              cimg3328.JPG

 

Leider hab ich vergessen zu erwähnen, dass der Verbrauch der Schaltung neben der Funktionstüchtigkeit das entscheidende Kriterium ist…

Die Schaltung und der Trafo verbrauchen etwa 200 Watt, was ungefähr der 5-fache Verbrauch einer normalen Neonröhre ist. Ich werde also erneut losziehen müssen.

 

Ein voller Erfolg war hingegen das Holz für die Flügel zu besorgen. Beim Sägewerk vor Ort wurden wir sehr schnell fündig. Für umgerechnet 15€ (ein „weißer Mann“- Aufpreis von ca. 8€ inklusive wie wir später erfahren haben) haben wir eine perfekte Holzbohle für 6 Flügel bekommen. Das Holz ist ohne Äste und perfekt gewachsen, ein Vorteil der örtlichen Tropenhölzer. Da wir aus einem dieser Urwaldriesen bestimmt 100 Flügel herstellen können und es außerdem keine anderen Hölzer zu kaufen gibt, glauben wir, dass wir mit gutem Gewissen dieses Holz für unsere Zwecke benutzen können.

 

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Am Samstag haben wir uns mit einer Delegation von MUDECA getroffen. Die Organisation ist zuständig für die Entwicklung im Dorf und ist ungefähr mit dem Gemeinderat in Deutschland vergleichbar, wenn auch keine Entscheidung ohne die Zustimmung des Fons oder der Chiefs getroffen werden kann. Nach einer Präsentation unseres Vorhabens haben sich die Teilnehmer begeistert gezeigt und viele Fragen gestellt. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeiten den erzeugten Strom zu nutzen und um die Auswahl der Handwerker und deren Möglichkeit sich, wie von uns angestrebt, finanziell an den Materialen zu beteiligen.

Auch hier kam erneut die Frage auf, ob man den mit dem Strom bügeln kann… Leider konnten mir auch die MUDECA Leute nicht erklären, warum es wichtig sei, dass man in einem Dorf, das weder fließend Wasser für aller Haushalte noch andere sanitären Einrichtungen hat und dessen Bewohner ihre Häuser mit Petroleumlampen beleuchten mit einem elektrischen Bügeleisen die Wäsche machen kann… Wir werden aber weiter dran bleiben um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Ansonsten hat uns das Treffen sehr positiv gestimmt, da direkt im Anschluss an die Fragen wichtige Punkte, wie die Auswahl der Interviewer für unsere Datenerhebung, die Auswahl der Handwerker und auch die Finanzierung der ersten Demonstrationsanlagen geklärt werden konnten, ohne dass wir Einfluss auf die Entscheidungsfindung liegt. Generell macht es weiterhin den Eindruck, dass wir unser Projekt sehr gut an die lokalen Gegebenheiten angepasst bzw. flexibel genug gestaltet haben.

 

Diese Woche werden wir vor allem mit dem Empfang des Containers und der weiteren Recherche  nach Materialen beschäftigt sein. Und nebenbei werden wir versuchen unsere Zimmerwände irgendwie trocken zu bekommen, da die Handwerker vergessen hatten ein Loch im Dach zu schließen und der Regen Tag für Tag direkt ins Mauerwerk lief…

 

         Liebe Grüße nach Deutschland

 

                   Johannes

2 Antworten auf “Nasse Wände und Bügeleisen fürs Dorf”

  1. Tanja Kirschner sagt:

    Lieber Johannes! Schön, dass Ihr gut angekommen seid. Ich verfolge eure Berichte mit Spannung… Dein Platz in meinem Büro ist auch wieder besetzt, von dem Azubi, natürlich kein Ersatz für Dich. Weiterhin viel Erfolg.., liebe Grüße Tanja

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