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Archive für 28.10.2008
Einmal Volltanken bitte!!!
28.10.2008 von Johannes.
Eigentlich sollte die Reise unserer kleinen Box von Deutschland knapp drei Wochen dauern. Aber was heißt schon eigentlich?
Die Idee war unsere Magnete und auch die vielen gespendeten Werkzeuge für die Ausbildung der Handwerker in einer Box von der Größe einer Palette mit dem Schiff zu verschicken, so dass sie zeitgleich mit uns in Kamerun ankommt,
Wir wussten bereits von den Problemen, die der kamerunsche Zoll beim Import von Hilfsgütern machen kann – schließlich ist das Land immer noch eines der korruptesten weltweit. Daher haben wir auf die Verschiffung eines ganzen Containers verzichtet und stattdessen Stauraum bei einem in Hamburg ansässigen afrikanischen Exporteur gekauft. Eine detaillierte Inhaltsliste mit jedem Artikel, dessen geschätzter Wert und auch ein kleines Foto wurde freundlicherweise vom kamerunschen Honorarkonsul in Essen unterzeichnet und gestempelt. Das sollte doch genug sein…
Die Box sollte am 22.07.08 versendet werden, doch auch nach ein paar Tagen haben wir keine Nachricht erhalten. Erst am Telefon teilte uns der Exporteur mit, dass das Schiff kaputtgegangen ist (???) und die Box erst am 08.08.08 losgeschickt werden kann.
Damit war unser Plan von der zeitgleichen Ankunft in Kamerun auch gestorben.
In Kamerun angekommen wollten wir natürlich versuchen herauszufinden wo denn das Schiff mit dem Container gerade ist. „Container Tracking“ heißt da das Zauberwort. Nur unsere offizielle Containernummer gab es nicht und unser Exporteur war weder telefonisch noch per Email zu erreichen…
Nachdem wir Tage damit zugebracht hatten herauszufinden wer den Container in Kamerun in Empfang nehmen wird und wir auch noch dessen Email-Adresse ERRATEN!!! hatten, teilte uns Herr Nongbo mit, dass der Container nach den uns mitgeteilten 3 Wochen gerade in Nigeria angekommen ist und dort auf ein anderes Schiff umgeladen wird. Leider sprach Herr Nongbo nur französisch und daher überließen wir die Kommunikation mit ihm unserem Projektassistenten Edwin. So wollten wir auch vermeiden, dass jemand beim Zoll das große Geld mit den Weißen wittert.
Mittlerweile war es Mitte September. Die Tage verstrichen und auch unseren tägliche Telefonate mit Herrn Nongbo von GETMA änderten nichts an der Tatsache, dass niemand so genau wusste wann der Container in Douala ankommen wird.
Dann, Anfang Oktober, der große Durchbruch: der Container war da aber noch nicht gelöscht. Mit hohen Erwartungen sind wir nach Douala gefahren. Doch bei einem kurzen Treffen mit Herrn Nongbo wurde Edwin nur eine Rechnung gereicht…
In der Zwischenzeit hatten wir auch einschlägige Erfahrungen mit der Verzollung von Kupferdraht am Flughafen gemacht, den uns freundlicherweise Felix Schubert aus Südafrika zugeschickt hatte.
Doch zurück zu unserer Box! Acht Wochen, nachdem wir sie verschickt hatten, war sie dann auch gelöscht und wir konnten sie immerhin von außen bewundern. Trotzdem sollte es noch ein weiter Weg zu unseren Magneten sein. Der Zollbeamte, befand zwar unsere Dokumente als schön, damit wir aber eine Zollbefreiung bekommen können, müssten wir nach Yaounde zum Finanzministerium und der Finanzminister persönlich müsse eine Befreiung schreiben. Der Aufwand um eine solche Befreiung zu bekommen ist ungefähr vergleichbar entweder mit dem Geld, das man aufbringen muss um eine eigene Magnetfabrik zu bauen oder mit dem Zeitraum, den wir für unser gesamtes Projekt veranschlagt haben…
Die Befreiung war als keine Option, daher mussten wir verzollen (was selbst laut der deutschen Botschaft normal für Hilfslieferungen ist, und wir das auch einberechnet haben). Der Wert, den ich für die Materialen angegeben habe, konnte aber laut dem Zollbeamten nicht richtig sein und selbst wenn, müsse er alles nach kamerunschen Marktwert berechnen, egal ob neu, gebraucht oder wertlos. Nach dieser „Neubewertung“ ist es „gestattet“ den Wert mit 2 oder 3 zu multiplizieren, eine Pauschale für Transport und Versicherung zu erheben und von dieser Summe schließlich ca. 50% Zoll zu zahlen. Da der Preis eines gespendeten Hammers von ca. 5-7 € nicht schon genug wären, müsse er eine 50% Strafgebühr auf den ganzen Wert erheben, weil wir den falschen Wert berechnet hätten…Das wären dann ca. 1.500€, bitte (Warenwert max. 300€!)
Alternativ könnten wir aber auch den Tank seines Mercedes, den Tank seiner Frau und Kinder auffüllen lassen und ihn dafür für seine Kosten (??? Er hatte bis dahin noch nichts gemacht!) entschädigen.
Das war dann doch ein bisschen zuviel Afrika! Wir haben uns entschieden, uns nicht einschüchtern zu lassen und den offiziellen und vor allem legalen Weg zu gehen, und einfach zu schauen, wie teuer es wird. Wenn der Zoll zu teuer geworden wäre, hätten wir einfach die ganze Box dem Zoll zur „offiziellen“ Versteigerung gelassen, hätten ca. 300€ an die Importgesellschaft zahlen müssen und das Material auf dem lokalen Markt gekauft.
Leider wussten unsere Clearing Agents, die man unbedingt für die Verzollung von Waren braucht, nicht mehr ganz genau, wie man den legalen Weg einer Verzollung bestreitet. Daher musste Edwin fast zwei Wochen jeden Tag mit dem Auto (zu siebt, ist aber eine andere Blogggeschichte) nach Douala fahren, um den Zollbeamten und den Clearing Agents auf die Finger zu schauen.
Dann am 16.10.08 schien es fast soweit zu sein. Der Zoll wurde veranschlagt und der Zollbeamte musste sein OK geben. Diesmal war ich mit dabei, und versuchte so höflich wie möglich zu sein, nachdem mich eine Stunde zuvor die Clearing Agents um weitere 50€ für eine nicht existierende Versicherúng erleichtern wollten. Da der Zollbeamte einen guten Tag hatte, er eingesehen hatte, dass der weiße Mann keine Bestechung zahlen wird, oder weil es die Strafgebühr und das Neubewerten gar nicht gibt, mussten wir einfach nur den Zoll zahlen, den wir auch mithilfe der deutschen Botschaft errechnet hatten.
Leider war das Zollamt geschlossen und der einzig Zuständige bei der Importgesellschft war um 14.00 Uhr einfach heimgegangen, so dass wir am nächsten Tag wieder kommen mussten.
Doch am Freitag konnten wir nach über 12 Wochen unsere Box wieder in Empfang nehmen und mussten vielen ungläubigen Kamerunern versichern, dass wir keine Bestechung gezahlt haben…
Jetzt kann es so richtig losgehen!!!
Geschrieben in Projektberichte aus Kamerun, deutscher blog | Drucken | 2 Kommentare »